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Vor 60 Jahren fing mit vier Musikern alles an....

Fünfzig Jahre Blasorchester Hellinghausen, das ist für die Musikerinnen und Musiker ein Anlass, einmal besonders zu feiern, Rückblick auf die vergangenen Jahre im Vereinsleben zu halten und diejenigen zu ehren, die all die Jahre hindurch Einsatz um den Bestand des Blasorchesters gezeigt haben. Wenn am Samstagabend um 19.00 Uhr das Stiftungsfest unter einem Festzelt am Gasthof Scheer in Hellinghausen beginnt, wird deshalb auch der Kreisvorsitzende des Volksmusikerbundes, Kreis Soest,  Herr Franz-Josef Kemper einigen Musikern die Ehrennadel des Deutschen Volksmusikerbundes überreichen, als äußeres Zeichen der Anerkennung für viele Jahre des Engagements im Blasorchester Hellinghausen. Auch das Haus Scheer wird nicht vergessen, in dem die Musiker seit 50 Jahren Mittwoch für Mittwoch freundlich aufgenommen und bewirtet werden.

Als nach dem zweiten Weltkrieg mit der Einführung der Währungsreform das kirchliche und gesellschaftliche Leben wieder aufblühte, fehlte in Hellinghausen, bei Zusammenkünften jeglicher Art, die musikalische Unterhaltung. Den Anstoß zur Gründung einer Bläsergruppe gab die katholische Kirchengemeinde. Die alljährliche Fronleichnamsprozession durch die drei Dörfer dauerte vier Stunden und zog sich ohne musikalische Begleitung endlos lange hin.
Friedrich Stuckenschneider war nach 4  Jahren aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, in der er zur Betreuung der Mitgefangenen zusammen mit Profimusikern Musik gemacht hatte.  In der Heimat angekommen fasste er den Plan, etwas Ähnliches auch in Hellinghausen aufzubauen.
Er fand in seinen Brüdern Heinz und Werner und seinem Nachbarn Josef Grote die nötige Unterstützung. Friedrich Stuckenschneider begann in mühevoller Kleinarbeit, Noten für seine zum Großteil noch recht unerfahrenen Musiker zu schreiben und die angehenden Musiker auf alten, gebrauchten Instrumenten auszubilden. Bald hörte man in Hellinghausen erste Klänge von Blasinstrumenten.

Mit „ehrlichem Bemühen“ begleiteten diese vier Musiker im Jahre 1951 zum ersten Mal die Fronleichnamsprozession. Im Laufe der Jahre gesellten sich immer mehr Musiker aus den benachbarten Gemeinden Herringhausen und Overhagen dieser kleinen Kapelle zu. Heute kommt ein Großteil der Musikerinnen und Musiker aus der Stadt Lippstadt. Die Schützenvereine der näheren Umgebung luden ein. 1954, am Tage der Fußballweltmeisterschaft, zog die Blasmusik zum ersten Mal im Schützenzug in Böckum-Nordorf mit. Wenig später forderte das Solebad Bad Westernkotten die Kapelle auf, einmal im Monat ein Kurkonzert zu geben. Damit begann ein neuer Abschnitt: Die Blasmusik stellte sich auf Unterhaltungsmusik um. Operetten, Potpourris, Walzer und Polka standen von nun auf dem Programm.  Neue Uniformen wurden angeschafft, die Blasmusik nannte sich jetzt "Blasorchester-Hellinghausen" und schloss sich dem Deutschen Volksmusikerbund an. Die immer zahlreicher werdenden Einladungen belohnten den Eifer der Laienmusiker, die viel Zeit und auch Geld opferten, um sich weiterzubilden und um vielen Menschen in Kranken- und Pflegeanstalten Freude zu bereiten.

1984 übergab Friedrich Stuckenschneider die Stabführung an seinen Sohn Klaus, der sich in den folgenden Jahren dafür einsetzte, junge Nachwuchsmusiker für das Orchester zu gewinnen. Um eine qualifizierte Probenarbeit und Orchesterleitung gewährleisten zu können, ließ sich Klaus Stuckenschneider in den folgenden Jahren zum Dirigenten ausbilden. Durch die Kenntnisse, die er während seiner Ausbildung erworben hatte, ließ sich die musikalische Qualität des Blasorchester erheblich steigern. Eindrücke und Erfahrungen setzte er sofort in seine Probenarbeit um. Während der 50 Jahre seines Bestehens wurde die musikalische Leitung des Orchesters nur einmal gewechselt -  vom Vater auf den Sohn.    

Der Gasthof Scheer wurde dem Blasorchester Hellinghausen zur Vereinsheimat. Dort treffen sich seit 50 Jahren Woche für Woche die Blasmusiker zum Proben. Das Repertoire des Orchester hat sich in den vergangenen Jahren erheblich erweitert und verändert. Während in den ersten Jahren seit der Gründung des Orchesters vor allem klassischen Stücke auf dem Programm standen, spielen heute neben Potpourris und Konzertmärschen, modernere Stücke zum Teil auch aus Rock und Pop eine wesentliche Rolle. Auch afroamerikanische Rhythmen, wie zum Beispiel Spirituals, werden zunehmend zu Gehör gebracht. Zuletzt konnten sich die Zuhörer auf dem alljährlich stattfindenden Weihnachtskonzert von der Qualität des Blasorchester überzeugen. Während der Schützenfestsaison ist das Blasorchester Hellinghausen auf allen städtischen Schützenfesten und auf zahlreichen Festen in der näheren Umgebung zu hören.

Im Laufe der Jahre ist aus dem Blasorchester Hellinghausen, neben dem Jugendorchester, noch eine weitere Musikgruppe hervorgegangen. Die BIG 12, eine kleine Gruppe von 12 Musikerinnen und Musikern, spielt vor allem an Orten, an denen spontan Stimmung verlangt wird und für ein großes Orchester in den meisten Fällen kein Platz ist. So gehören Stimmungsmärsche und Songs, zum Teil aus den aktuellen Charts, fest zu ihrem Repertoire. Aber auch vorweihnachtliche Ständchen in den Ortsteilen, musikalische Begleitung des Festgottesdienstes am ersten Weihnachtstag in der Pfarrkirche St. Clemens in Hellinghausen, sowie das Weihnachtsständchen im Dreifaltigkeitshospital in Lippstadt am Heiligabend stehen seit über 10 Jahren fest auf dem Terminplan.          

Jugendarbeit und insbesondere die musikalische Ausbildung von Jugendlichen ist stets ein wichtiger Stützpfeiler in der Geschichte des Orchesters gewesen. Die Jugendlichen aus dem Jugendorchester, das im Jahre 1989 gegründet wurde, sind inzwischen alle in das Hauptorchester übergegangen und bekleiden zum Teil wichtige Ämter im Vorstand. Zur Zeit befinden sich wiederum zahlreiche Jugendliche in der musikalischen Ausbildung. Erfreulicherweise haben sich aber auch erstmals „ältere Semester“ dazu entschlossen, ein Instrument bei einem der Musiker zu erlernen. Vielleicht ist das Blasorchester Hellinghausen eines der wenigen Orchester, das von sich behaupten kann, dass sein Fortbestand auch über die nächsten Jahre gesichert ist.

Aus der einstigen Vier- Mann-Kapelle von 1951 ist mittlerweile ein über 50 Musikerinnen und Musiker zählendes Orchester geworden. Die Musiker freuen sich über jeden musikbegeisterten Bürger oder auch Bürgerin, der/die sich dazu entschließt, in Zukunft gemeinsam mit ihnen zu musizieren und geben gerne Auskunft über die Möglichkeiten der Ausbildung bzw. die Anschaffung eines Instrumentes. Sprechen Sie uns an, oder schicken Sie uns eine E-Mail unter der Adresse: Blasorchester-Hellinghausen@web.de